Grosses Haus, Theater Ulm

Verbrennungen

von Wajdi Mouawad
Premiere: 
12. Februar 2009
Eines Tages hatte sie aufgehört zu sprechen. Jetzt gibt das Testament ihrer Mutter Nawal den Zwillingen Jeanne und Simon weitere Rätsel auf. Die Spurensuche nach einem verschollenen Leben beginnt. Eine Reise in die Vergangenheit, eine Rekonstruktion der Lebensgeschichte der Mutter. Die Geschwister entschlüsseln schrittweise eine Leidensgeschichte und müssen dabei lernen, ihre eigene Herkunft zu begreifen und trotz erschütternder Tatsachen anzunehmen. Sie entdecken ein Leben, das von Gewalt und Krieg gezeichnet ist - und schließlich eine furchtbare Wahrheit. Und sie erfahren von einer großen und verlorenen Liebe. In eindringlichen Bildern lässt VERBRENNUNGEN die Folgen von Bürgerkrieg, Folter, Vertreibung und Exil lebendig werden. Gleichzeitig aber ist das Stück eine Hymne an das Leben und die Hoffnung. Der vielfach preisgekrönte kanadisch-libanesische Autor erzählt eine hochdramatische Odyssee, die unter die Haut geht. Ein heftiger und erschütternder Text. Mit der Wucht der antiken Dramatik bewegt sich Mouawads Stück auf die Katastrophe zu. Die Geschichte einer Frau, die entschlossen ist, die Gewaltspiralen des Krieges zu durchbrechen - und doch den geballten Hass nicht besiegen kann.
Besetzung: 
Ulla Willick: Nawal
Aglaja Stadelmann: Jeanne
Simon Reimold: Simon
Andreas Uhse: Nihad, Jihane (Nawals Mutter), Dorfbewohner, Fremdenführer
Johanna Paschinger: Sawda
Karl Heinz Glaser: Hermile Lebel
Antonio Lallo: Nazira (Nawals Großmutter), Arzt im Lager, Chamseddine
Wilhelm Schlotterer: Boxtrainer, Pfleger, Malak
Raphael Westermeier: Wahab, Dorfbewohner, Soldat
Ausstattung: 
Mark Späth
Musik: 
Felix Leuschner
Dramaturgie: 
Volkmar Clauss
Regie: 
Ulf Goerke
Foto(s): 
Jochen Klenk

Kritiken

Schwäbisches Tagesblatt

(...) Wenn der Begriff Nachhaltigkeit auf Theater anwendbar ist, dann auf das Stück des Autors Wajdi Mouawad und die Inszenierung, die Leistung des Ensembles am Theater Ulm. „Verbrennungen“- ein Theaterabend, der lange nicht aus dem Kopf gehen wird. (...)
Dieser Theaterabend ist eine Zumutung- in des Wortes bester Bedeutung. Dieses Theater setzt in Zeiten seichter Unterhaltung auf ein Publikum, dem zugemutet wird, nachzudenken. Noch lange nach der Vorstellung. Ein mutiges Theater somit. (...)
Auf keinen Fall, schreibt Mouawad, sei „Verbrennungen“ ein Stück über den Krieg oder „über die Notwendigkeit, seine Wurzeln zu kennen. Vielmehr über den Versuch, in einer unmenschlichen Situation seine Versprechen als Mensch zu halten“. Diesen Satz haben Regisseur Ulf Goerke und der Bühnenbildner Mark Späth erfreulicherweise ernst genommen. Keine der bei solchen Themen üblichen Kriegsfotos und Videos, sondern zwei Spielebenen, kühl, lediglich symbolische Andeutungen der vielen Orte, dazu irritierende Klänge. Goerke macht kein Lehrstück über Gewalt daraus. „Verbrennungen“ kommt ohne Leidenspathos aus. Es gibt keine falschen Töne.

Südwest Presse

(...) „Verbrennungen“ hat spannende berührende Seiten zu bieten. Besonders in einer so konzentrierten Aufführung, wie sie nun im Großen Haus des Theaters Ulm zu sehen ist. (...) Die Inszenierung von Ulf Goerke entfaltet das Geschehen, das sich von der Bürgerkriegschronik zur Schicksalstragödie auswächst, auf hochkonzentrierte Weise. Emotionen und Töne- und es sind viele zwischen Liebe und Gewalt- ufern nie aus. So wird der Abend zunehmend eindringlich. Der Premierenabend lang und anerkennend.