Theater Regensburg

Arm in einer reichen Stadt

Thierjung/ Goerke/ Teufl
Bürgertheater
Premiere: 
16. Juli 2015
Regensburg ist eine der reichsten Städte Deutschlands. Oder nicht? Wer genauer hinsieht, bemerkt sie fast überall, die kleine und die größere Armut, die offensichtliche und die versteckte. Wie verhalten wir uns zu Armut? Schauen wir weg oder erkaufen wir uns mit Spenden ein gutes Gewissen? Betrachten wir uns als reich? Kann man wirklich verstehen, was es heißt, mit 5€ eine Woche lang bis zum Monatsende auskommen zu müssen? Das Bürgertheater Regensburg hat sich auf die Suche gemacht: Faktenrecherche und Interviews, persönliche Erfahrung und literarische Texte, alles zusammen ergibt die Textcollage „Arm in einer reichen Stadt“. Aufgeführt wird das Stück im Maximiliansaal im Park Hotel Maximilian.
Besetzung: 
Lisa-Marie Aigner, Monika Beer, Evelin Braun, Franziska Käppel, Ruso Kobiashvili, Linda Koch, Sabine Kümmel, Stephanie Scharpf, Sylvia Schindler, Marina Siebert, Zdenka Sims, Clara Teufl, Johanna Weißgerber, Sieglinde Wenisch
Jochen Buck, Johannes Laux, Martin Seeanner, Dr. Albert Schindler, Paul Teufl
Kostüme: 
Sandra Muenchow
Dramaturgie: 
Daniel Thierjung
Regie: 
Ulf Goerke
Foto(s): 
Karin Jakymiw

Kritiken

Mittelbayerische Regensburg

Mit diesem Erfolg hatte keiner gerechnet. Am Donnerstag fand der Premierenabend der zweiten Inszenierung „Arm in einer reichen Stadt“ im Ballsaal des Hotels Maximilian statt. Den Regensburgern geht es gut, die Stadt ist eine der reichsten in Deutschland. Doch auch hier gibt es offene und versteckte Armut. Vor diesem Hintergrund begaben sich die Laiendarsteller selbst auf die Suche. Sie betrieben Faktenrecherche, führten Interviews, aber auch persönliche Erfahrungen flossen mit ein. Auch der Spielort, der prunkvolle Ballsaal des Hotels Maximilian, der mit seinem vornehmen Ambiente besticht, wurde ganz bewusst ausgewählt. (…) Das Stück ist als Collage aufgebaut. Im Hotel Maximilian findet die Gala „Ein Herz für Arme“ statt, zu der eine Gruppe von Regensburger Bürgerinnen und Bürgern geladen ist, ohne anfangs zu wissen, um was es geht. Nachdem die Masken erst einmal gefallen sind, erzählen die Regensburger ihre ganz persönlichen Geschichten von Armut. Was da alles ans Licht kommt, ist nicht nur höchst interessant, sondern macht auch betroffen. (…) Das Publikum honorierte die Leistung der Laiendarsteller nicht nur mit minutenlangem Applaus nach der knapp anderthalbstündigen Vorführung, sondern auch mit spontanem Zwischenbeifall.

regensburg digital

Am Donnerstag feierte das Stück „Arm in einer reichen Stadt“ im brühend heißen Parkhotel Maximilian Premiere. Die Inszenierung, eine Koproduktion von Bürger- und Stadttheater, will als Collage von Textfragmenten rund um das Thema Armut in Regensburg überzeugen.(...) Vom statistischen Vortrag über Anekdoten aus dem Jobcenter bis hin zur Geschichte einer jungen Frau mit Behinderung, deren Rollstuhl auf die Bühne gehoben wird und die dort auf anrührend persönliche Weise von ihrem Alltag erzählt, wird dabei alles geboten. (...) Der Text von Regisseur Ulf Goerke, Petra Teufl und Daniel Thierjung ähnelt eher einem Skript für eine fiktive Vortragsveranstaltung als einer dramatischen Arbeit. Ein echter Höhepunkt ist der bereits erwähnte Auftritt von Marina Siebert im Rollstuhl, bei der Rolle und persönliches Schicksal auf besondere Weise zu verschmelzen scheinen. Sie schafft es gekonnt, Ironie immer wieder in bitteren Ernst umschlagen zu lassen und das Publikum in den Bann zu ziehen. Und letztlich muss man dem Bürgertheater trotz gratulieren: Eine Laienspielgruppe, die Theater „von unten“ macht und bei der der Prozess eben dieses Theatermachens ohnehin das wichtigste ist, kann der Regensburger Kultur- und Theaterlandschaft langfristig nur guttun. Dass man sich dabei nicht nur auf Klassiker und Komödien stürzt, sondern auch brisante Themen anfasst, ist der Gruppe hoch anzurechnen.