Düsseldorfer Schauspielhaus

Am Boden (DSE)

George Brant
DSE
Premiere: 
7. Mai 2015
In der Wüste von Nevada liegt Las Vegas, bekannt für seine Spielcasinos. Weniger bekannt ist die Gegend als Austragungsort für militärische Auseinandersetzungen: Am Boden erzählt die Geschichte und die Empfindungen einer jungen Kampfpilotin, die aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft von der Pilotenkanzel an den Bildschirm eines Computers auf einer Airbase bei Las Vegas versetzt wird. Von dort jagt sie per Joystick Terroristen mit einer Kampfdrohne im 8.000 Meilen entfernten Afghanistan. Eine Million Dollar kostete ihre Ausbildung zur Kampfpilotin. Nun bewegt sich ihr Alltag zwischen ihrer Familie und gnadenlosen 12-Stunden-Schichten und der tagtäglichen Entscheidung, per Knopfdruck kampflos zu töten. Die junge Frau steht unter einem enormen emotionalen Druck wegen der ungeheuren Verantwortung. Als sie einen hochrangigen Terroristen verfolgt, entwickelt sie sich zu einer gnadenlosen Jägerin, der allmählich die Grenzen der Wahrnehmung ihrer Rolle als Mutter und Militärangehörige verschwimmen. George Brants furioser Monolog spielt zwischen der Alltäglichkeit einer amerikanischen Durchschnittsfamilie und dem scheinbar virtuellen Krieg mit Kampfdrohnen. Das Düsseldorfer Schauspielhaus zeigt die Deutschsprachige Erstaufführung dieses politisch hochaktuellen Textes.
Besetzung: 
Louisa Stroux: Die Pilotin
Bühnenbild: 
Ria Papadopoulou
Kostüme: 
Anne-Kathrin Bannier
Video: 
Patrik Tircher
Dramaturgie: 
Armin Breidenbach
Regie: 
Ulf Goerke
Foto(s): 
Sebastian Hoppe

Kritiken

Rheinische Post

(…) Nun also durfte man gespannt sein, wie das brisante Werk in Deutschland ankommt. Die Erstaufführung hat Regisseur Ulf Goerke für das Düsseldorfer Schauspielhaus übernommen, 65 Minuten dauert das Stück, das in karger Bühne von Ria Papadopoulou abläuft.
Hinter der Pilotin ist eine Videowand aufgebaut. Zu Beginn ihres Monologes spendiert man ihr fette Beats. Ja, sie ist total eins mit ihrem Job, sie liebt Fliegen, das Blau des Himmels. Diesem Blau gehört ihre Sehnsucht. Dann kommt alles anders, sie verliebt sich, wird schwanger und Mutter. (…) Das Leben im Dienst und abends zu Hause will sich nicht verbinden. "Man fährt zum Krieg wie zur Schichtarbeit." Sie halluziniert, hat Verfolgungswahn. Die Drohnenpilotin kann nicht mehr abschalten. Ihre Welt zerfällt. Am Ende sitzt sie im Militärgefängnis. (…) Dies alles erzählt dem Publikum Louisa Stroux, eine zierliche junge Frau im Pilotenanzug. Sie tut dies schwärmerisch zu Beginn, das Mörderische handelt sie kalt lächelnd ab. Die deftige Sprache beherrscht sie wie die Kerle. Manche Sätze schmettert sie ins Mikrofon. Sie bewegt sich nicht groß, aber sie wird sich winden. Ihre Bewegungen dosiert sie fein, ihre Stimme bringt sie zum Beben. Dramaturgisch passiert nicht viel in diesem packenden Solo außer Videos, Musik - auch von Wagner. Stroux lässt den Zuschauer in ihr Krieger-Leben hinein, lässt die Extreme spüren. Und das Scheitern. Dass das ferngesteuerte Töten den Menschen entmenschlicht.
Eine beeindruckende Leistung in einem wichtigen Diskussionsbeitrag zur Zeit. So soll Theater sein.