Theater Halle 7, München

Checkpoint (UA)

eine Stückentwicklung
Text Joerg Bitterich
Premiere: 
3. Juli 2008
Die Grenzen zwischen Staaten sind durchlässiger denn je. Allerdings nur für Kapitalströme. Im Versuch, sich gegen Elendsflüchtlinge abzuschotten, erinnern die reichen Länder zunehmend an die Erbauer der Berliner Mauer. Ähnlich wie diese sich von einem feindlichen politischen System abgrenzen wollten, verteidigen sich jene gegen die angeblichen Feinde ihres Wohlstandes. Doch die Ausgrenzung ist scheinheilig. Längst basiert ein Teil des Reichtums auf der Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte, die illegal ins Land kommen. Dieser Industrie der Einschleusung widmet sich CHECKPOINT: Stätte eines gesetzlosen Sklavenmarktes, Schauplatz skrupelloser Menschenschmuggler, nationalistischer Grenzbewacher und einer zynischen Mittelklasse, die sich in goldenen Käfigen verschanzt und sich für menschenfreundlich hält, wenn sie den Unterprivilegierten einige Brocken im Austausch für ihre Dienste hinwirft. Das skizzierte Szenen- und Figurenmaterial ist Arbeitsgrundlage und wird im Probenprozeß gemeinsam von Ensemble, Regie und Autor weiterentwickelt.
Besetzung: 
Teresa Bendel: Business Frau Helen
Katinka Mache: Barbesitzerin Tam
Simin Soraya: Barangestellte Barb
Andreas Hilscher: Lebenskünstler Lenny
Hans Kitzbichler: Policeman Don
Norman Sonnenleiter: Schleuser Mark/ ein Bär
Marco Wohlwend: Agent Kyle/ ein Gabelbock
Ausstattung: 
Julia Ströder
Musik: 
Thomas Wegner
Dramaturgie: 
Britta Marx
Regie: 
Ulf Goerke
Foto(s): 
Julia Ströder

Kritiken

theaterkritiken.com

(…) Die letzte Geschäftsidee für den "Checkpoint" ist allerdings die perverseste. Die Kneipe wird zum Mittelpunkt eines Erlebnisparkes für illegale Grenzübertritte: wer nun meint, Joerg Bitterlich und Ulf George hätten diese völlig bizarre Idee im Vollrausch entwickelt, dem sein gesagt, es gibt diesen Erlebnispark bereits im mexikanischen Dörfchen El Alberto.
(…) Regisseur Ulf George, denr die Szenen gemeinsam mit Jörg Bitterlich erarbeitete, setzte auf die Intelligenz der Dummheit. (…) Die Kostüme und der Spielhabitus der Akteure versetzte den Zuschauer in ein B- Movie. Schrill und laut ging es zu und den Betrachter beschlich das ungute Gefühl, dass es gerade deshalb authentisch sein könnte.
(…) Jörg Bitterich und Ulf Goerke gelang gutes politisches Theater, dass auf artifizielle Ansätze nicht verzichtete. Sie leisteten dabei Aufklärung im dialektischen Sinne, denn sie brachten dem Betrachter die Wahrheit auf komplexe Weise sehr nahe.