Bayerische Theaterakademie/ Körber Stiftung Junge Regie

Phaidras Love

von Sarah Kane
Premiere: 
27. Mai 2005
Auf der Folie des antiken Mythos seziert Kane in knappen emblematischen Szenen die Gefühlskälte und latente Todessehnsucht der Moderne. Phaidra, die Frau von König Theseus, zerbricht an ihrem brennenden Begehren nach ihrem Stiefsohn Hippolytos, denn Hippolytos liebt nicht, Hippolytos hat Sex, wahllos und desinteressiert. Auch mit Phaidra, die sich ihm hingibt, verzweifelt, bedingungslos. Seine Gleichgültigkeit treibt sie in den Selbstmord, an dem sie ihm die Alleinschuld gibt. Vom aufgebrachten Volk wird Hippolytos bestialisch hingerichtet, und im Schmerz der Folter erfährt er sich glücklich und befreit erstmals als Mensch. Eine Gratwanderung zwischen Erschütterung und abgründiger Komik, schmutzig, beunruhigend, gefährlich.
eingeladen zur Körber Stiftung Junge Regie Hamburg
Besetzung: 
Fjodor Olev: Hippolytas
Barbara Seifert: Phaidra
Sandra Gerling: Strophe
Christoph Pütthoff: Arzt, Priester
Jörg Bitterich: Theseus
Gretel Kautsch: Puppenspieler
Ausstattung: 
Mark Späth
Musik: 
Felix Leuschner
Regie: 
Ulf Goerke

Kritiken

Münchener Abendzeitung

(...) eigentlich hätte ein Münchener den Sieg (bei der Körber Stiftung) verdient. (...)
Ulf Goerke griff mit Sarah Kanes „Phaidras Love“ am tiefsten in die theatrale Stilmittelkiste, und das sehr klug. Die Tragödie besticht mit intensiven Bildern voll durchdachter Metaphorik und Tiefe. Goerke lässt neben jungen Schauspielern noch fast lebensgroße Marionetten auftreten, erreicht spannende Verfremdungen, wenn grausame Handlungsmomente nur als mechanisch- nüchterne Inhalstangaben über Lautsprecher zu hören sind. So viel Textgenauigkeit und Einfallsreichtum hätten den Sieg verdient.

Theater der Zeit

(…) Der 1969 Geborene inszenierte „Phaidras Love“ von Sarah Kane, als sei es ein triviales Boulevardstück. Oder eine Soup, die auf dem schmalen Grad zwischen Komik und Tragik balanciert. Und vielleicht das erfüllte, was Barbara Müller- Wesemann in ihrer Abschlussrede sprach: “Spielfreude, Engagament und Begabungen sind die Voraussetzungen, Theater zu machen."

Textversion- ansichten (Körber Stiftung begleitende Zeitung)

(….) Die Zeremonie des verwandtschaftlichen Totschlags ist bei ihrem Meister Goerke eine der Erstarrung und Bewegung.
(….) Ulf Goerke nimmt den Text beinahe Wort für Wort, folgt fast jeder Regieanweisung. Das kann sich nur ein Regisseur wie Goerke leisten, der genügend eigene Anweisungen im Kopf hat….

Cult- Kulturzeitschrift der bay. Theaterakdemie, Inszenierungsvergleich Residenztheater München/ Körberstiftung Hamburg

(…) Das hat Goerke gesehen und in ein beklemmendes Bild gebannt. Kanes kreisende Geier sind Goerkes schwankende Geister. (...)
In München (am Residenztheater) bekommt der Zuschauer den Eindruck, das Stück sei nichts als ein erneuter Versuch aus Jungsein und Rebellion, aus Multimedia und Konsum. Da kann er die Zähne zusammenbeißen und gen Himmel ein „Was soll es!“ schreien. „Hätte es doch nur mehr Momente wie diesen gegeben“ ist jedoch Hippolytos´ schön- trauriger Ausruf, und das möchte man auch Goerke hinterher rufen, wenn man bedrückt und beeindruckt das Thalia in der Gausstraße verlässt. Seine psychogramme Inszenierung macht uns glauben, das PHAISDRAS LOVE ein großes Stück ist. Eine große Tragödie- wenn der Regisseur es eine sein lässt.