Fränkische Nachrichten

Ganz allein im Land der Träume.
Weniger auf Käse oder saftige Kuhweiden, sondern mehr auf strohblonde Käseverkäuferinnen und das Gras in den Coffeeshops von Amsterdam freuen sich die zwei Serben Bojan und Ljuba in dem köstlich- schrägen Stück „Amsterdam“, das Ulf Goerke in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters Würzburg 75 kurzweilige Minuten in Szene setzt.
Ohne erhobenen Zeigefinger.
Die 1986 in Belgrad geborene und heute in Berlin lebende Autorin Marijana Verhoef beweist mit ihrem Plot, dass sich Stereotype und Vorurteile hervorragend dafür eignen, ohne erhobenen Zeigefinger nachdrücklich für Toleranz und Vielfalt zu plädieren. (…)
Nach einer langen Zugfahrt quer durch Europa landet das Duo in einem ländlichen Nest, es regnet, stinkt nach Kuhfladen und das erwartete Empfangskomitee mit Auto lässt auf sich warten. Stattdessen holt sie eine überdrehte Touristenführerin Jolanda, die Hannah Walther mit viel Sinn für Situationskomik spielt, mit einem - imaginären- Fahrrad ab. Später spielt sie auch drei weitere Figuren. Ihrem indonesischem Adoptivbruder Bobo als lebensgroße Marionette leiht sie ihre wandlungsfähige Stimme. (…)
Regisseur Ulf Goerke lässt dem spielfreudigen Trio alle Freiheiten, um die Klischeevorstellungen von Bojan und Ljuba die außerhalb ihres gewohnten Lebensumfeldes jegliche Selbstsicherheit vermissen lassen, umverblümt anzusprechen. Ihr männliches Selbstverständnis wird rag ramponiert und mit Videoeinblendungen wird schließlich deutlich, dass sie gefühlsmäßig ihre Heimat mit einem traditionell starken Familienzusammenhalt nie so richtig verlassen haben.

zur Inszenierung: 
Amsterdam