Mainfranken Theater Würzburg

Amsterdam

Marijana Verhoef
Premiere: 
9. Oktober 2016
Ein schräger, europäischer Roadtrip zweier junger Serben nach Holland: Bojan und Ljuba, Journalistikstudent und Kameramann, werden für eine ungewöhnliche Reportage ins niederländische Dorf Altever geschickt, weil dort in den vergangenen Wochen angeblich Superman wiederholt am Himmel gesichtet wurde. Die Vorfreude der beiden Jungs auf das gelobte Land von Marihuana und Prostituierten löst sich schnell in Luft auf. Altever ist ein langweiliger Ort, der nach Kuhmist stinkt und wo das Wetter immer schlecht ist. Statt der Limousine wartet Touristenführerin Jolanda mit dem Fahrrad auf die beiden. Auch die Bekanntschaft mit der blonden Holländerin Merel und ihrem indonesischen Adoptivbruder Bobo hat einen Haken: Das ungleiche Geschwisterpaar überredet die beiden Serben zu einem teuren Superman Workshop. Doch als die beiden nicht zahlen können, findet die gemeinsame Reise ein anderes Ende als geplant.
Besetzung: 
Bastian Beyer: Bojan
Cedric von Borries: Ljuba
Hannah Walther: Musik und Sound, Jolanda, Merrel, Arri, Bobo
Bühnenbild: 
Anika Wieners
Kostüme: 
Veronica Silva-Klug
Musik: 
Paul Grote
Video: 
Anika Wieners
Dramaturgie: 
Katharina Nay
Regie: 
Ulf Goerke
Foto(s): 
Annika Ahting

Kritiken

Fränkische Nachrichten

Ganz allein im Land der Träume.
Weniger auf Käse oder saftige Kuhweiden, sondern mehr auf strohblonde Käseverkäuferinnen und das Gras in den Coffeeshops von Amsterdam freuen sich die zwei Serben Bojan und Ljuba in dem köstlich- schrägen Stück „Amsterdam“, das Ulf Goerke in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters Würzburg 75 kurzweilige Minuten in Szene setzt.
Ohne erhobenen Zeigefinger.
Die 1986 in Belgrad geborene und heute in Berlin lebende Autorin Marijana Verhoef beweist mit ihrem Plot, dass sich Stereotype und Vorurteile hervorragend dafür eignen, ohne erhobenen Zeigefinger nachdrücklich für Toleranz und Vielfalt zu plädieren. (…)
Nach einer langen Zugfahrt quer durch Europa landet das Duo in einem ländlichen Nest, es regnet, stinkt nach Kuhfladen und das erwartete Empfangskomitee mit Auto lässt auf sich warten. Stattdessen holt sie eine überdrehte Touristenführerin Jolanda, die Hannah Walther mit viel Sinn für Situationskomik spielt, mit einem - imaginären- Fahrrad ab. Später spielt sie auch drei weitere Figuren. Ihrem indonesischem Adoptivbruder Bobo als lebensgroße Marionette leiht sie ihre wandlungsfähige Stimme. (…)
Regisseur Ulf Goerke lässt dem spielfreudigen Trio alle Freiheiten, um die Klischeevorstellungen von Bojan und Ljuba die außerhalb ihres gewohnten Lebensumfeldes jegliche Selbstsicherheit vermissen lassen, umverblümt anzusprechen. Ihr männliches Selbstverständnis wird rag ramponiert und mit Videoeinblendungen wird schließlich deutlich, dass sie gefühlsmäßig ihre Heimat mit einem traditionell starken Familienzusammenhalt nie so richtig verlassen haben.

Main Post

Europa-Klischees und ein Desaster im Superman-Workshop.
Die Kammerspiele des Mainfranken Theaters zeigen die in Richtung Comic tendierende Komödie „Amsterdam“, die dem Premierenpublikum 75 kurzweilige Minuten und allen Mitwirkenden anerkennenden Applaus bescherte. (…) Wir sind Europa und kennen uns nicht, nehmen unsere Vorurteile und Klischees mit auf Reisen. Das ist die Aussage von „Amsterdam“, de Stück von M. Verhoef, in dem sie ein überzeichnetes, kritisches Bild der europäischen Gesellschaft entwirft. Unter der Regie von Ulf Goerke agieren (…) Bastian Beyer als energiegeladener Bojan, Cedric von Borries als sein weltoffener Kumpel Ljuba und Hannah Walther in den Rollen diverser Niederländer/innen. Das junge Schauspieltrio- zwei sind frisch von der Schule- sprüht vor Elan, agiert überdreht, grotesk, vor allem, wenn Bojan seine Aggressivität zu kontrollieren versucht.